Plattform 'Soul-Support'

Angelika Draxler, Psychotherapeutin

Alte Menschen, ihre Familien und Corona

„Mama, bitte geh nicht mehr einkaufen!!!“

Die gegenwärtige Situation mutet gerade alten und hochaltrigen Menschen und deren Familien besonders viel zu. Das kann eine äußerst belastende Veränderung für die Familiendynamik bedeuten und zu massiven Spannungen führen.

  • Die Rollenverteilung scheint sich zu verkehren. Hochaltrige Eltern ringen um ihre Selbstbestimmung. Ihre Kinder finden sich plötzlich in der Rolle der Mahner und Bremser wieder.

  • Alte und hochaltrige Eltern wohnen selten im Mehrgenerationenmodell, sondern meist allein oder in einem Seniorenwohnheim. Damit ist jeder Besuch durch die Familie potenziell gefährdend oder ohnehin unmöglich. Beiden Seiten fehlt damit die Möglichkeit, sich durch einen persönlichen Besuch davon zu überzeugen, „dass eh alles in Ordnung ist“.

  • Die sonst selbstverständliche Intimität zwischen alten Eltern und ihren Kindern fällt weg. Damit fehlt in Spannungssituationen ein wesentliches Element der Entlastung.

  • Die Großelternschaft ist für viele Menschen ein wesentlicher Teil geglückter Identität im Alter, oftmals die einzige Beziehung leiblicher Nähe. Der fehlende Kontakt mit den Enkelkindern wird vielfach als größte Einschränkung erlebt.

  • Viele alte Menschen sind gerne tapfer, um ihre Familien zu schonen. Sie zeigen ihren seelischen Schmerz nicht, manchmal können sie ihn auch nicht spüren. Daraus kann ein psychosomatische Schmerzerkrankung entstehen.

  • Unsichere Pflegemodelle sowie eventuell Demenz und /oder Multimorbidität sind für alle Seiten eine extreme Belastung.

  • In manchen Familien gehören zwei oder mehr Generationen zur Risikogruppe. Niemand kann mehr benennen, wo Sorge und Entlastung beginnen und enden.

  • Neue Medien sind in diesen Tagen für viele ein selbstverständlicher Weg der Kommunikation. Alte und hochaltrige Menschen kann dies schnell überfordern.

  • Manche „Kriegskinder“, die den 2. Weltkrieg überstanden haben, kommen zurzeit erstaunlich gut zurecht. Sie kennen reale Bedrohung und Einschränkung und haben individuelle Regulationsmöglichkeiten. Ihre Kinder reagieren mitunter irritiert auf diese scheinbare Unberührtheit.

  • Manche Menschen, die in der Zeit des kalten Krieges und der immer wieder auf- und abschwellenden Gefahren geboren wurden, haben ein Lebensgefühl der Unbesiegbarkeit kultiviert und sind wesentlich schwerer zur Selbstbegrenzung zu motivieren.

  • Alte Familienkonflikte, wechselseitige Verwundungen und unerfüllte Sehnsüchte auf beiden Seiten können in diesen Tagen eskalieren. Vielfach treten sie angesichts der momentanen Situation allerdings in den Hintergrund. Die Familie hält zusammen. Dennoch wirken solche Dynamiken unbewusst weiter.

Diese und viele andere Stolpersteine können in den momentan für uns alle besonders herausfordernden Zeiten zur schweren Belastung werden. Sie können aber auch genau jenes Innehalten auslösen, das dem gemeinsamen Weg als Familie eine neue Wendung gibt.

Die Handlungsweise des jeweils anderen aus seiner Persönlichkeit und Lebensgeschichte heraus neu zu verstehen kann entlasten und helfen, familiäre Spannungen abzubauen. Problemfelder zu identifizieren und zu benennen ist die Voraussetzung, um gemeinsam Lösungsmöglichkeiten zu entdecken. Professionelle Unterstützung kann hier einen wichtigen Beitrag leisten.

Es kann aber auch einfach entlastend sein, einer unbeteiligten dritten Person die eigene Belastung zu schildern und dafür fundiertes Verständnis zu finden.

Zur Person

Ich bin Psychotherapeutin und Supervisorin, meine Praxis liegt in Wien Hietzing. Etwa die Hälfte meiner beruflichen Tätigkeit widme ich der Psychotherapie (KBT Konzentrative Bewegungstherapie), die andere Hälfte der Supervision (Integrative Supervision) im psychosozialen und klinischen Bereich.

Angebot und Kosten

Während der behördlichen Auflagen habe ich meine Praxisräume geschlossen und arbeite nur per Telefon oder Online (MS Teams, TheraPsy, Zoom).

Aufgrund meiner Zusatzqualifikation als Gerontopsychotherapeutin richte ich für die Zeit der behördlichen Einschränkungen mein Angebot vor allem an den besonders belasteten Personenkreis der alten bzw. hochbetagten Menschen und deren Familien.

Gerne biete ich in dieser Situation alten und hochaltrigen Menschen sowie deren Angehörigen psychotherapeutische Entlastungsgespräche und Krisenintervention an. Eine einmalige Intervention ist genauso möglich wie die Begleitung über einen längeren Zeitraum.

Für Menschen, die im Themenkreis Alter und Hochaltrigkeit beruflich engagiert sind, biete ich überdies gern Supervision an.

 

Angelika Draxler
Psychotherapeutin

  • 4 Plätze pro Woche um je Euro 45,- /50 Min.
    (Vorerst befristet bis Ende Juni 2020)

Bei Vorliegen einer krankheitswertigen Diagnose kann ein Zuschuss der Krankenkasse (je nach Krankenkasse zwischen € 28,- und € 40,-) beantragt werden.

www.angelika-draxler.at
Psychotherapie/Supervision/Coaching

Praxis:
Hietzinger Hauptstraße 143, 1130 Wien

Telefon:
0664/4950458

Email:
angelika.draxler@aon.at

 

Portrait: Copyright Monika Kollarz